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Manchmal ziehen dunkle Wolken über den Patienten und Mitarbeitenden der Damper Kliniken auf. Dann ist Susanne Nickel da. - Foto: KKRE / Søren Harms

14.07.2020

Damp – Als das Handy läutet, entschuldigt sich Susanne Nickel: „Das ist dienstlich.“ Es läutet im Wortsinn: Kirchenglocken schallen über die Restaurantterrasse am Damper Strand. Der passende Klingelton zur Seelsorgerin. Nickel wischt über den Bildschirm, nennt ihren Namen und lauscht. „Das freut mich aber!“, ruft sie nach kurzem Zuhören und verabredet sich für den frühen Nachmittag. „Das war meine erste Patientin“, sagt sie nach dem Auflegen und strahlt: „Das Gespräch vor zwei Wochen hat ihr gut getan, nachher treffen wir uns wieder.“

Seit Juni ist Susanne Nickel Seelsorgerin an der Ostsee- und der Rehaklinik Damp. Finanziert wird ihre Stelle vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde (70 Prozent) und den VAMED Kliniken in Damp (30 Prozent). „Die Ärzte und das Pflegepersonal hier haben mich mit wirklich offenen Armen empfangen und erklärt, weshalb Seelsorge für ihr jeweiliges Fachgebiet wichtig ist – das hat mich erstaunt und sehr gefreut!“ Dass es für die Heilung sehr förderlich sein kann, wenn auch für die Seele gesorgt ist: Mit diesem Gedanken ist Nickel in Damp nicht allein.

Corona-Auflagen überall

Zugleich waren die Hygiene-Auflagen rund um die Eindämmung des Coronavirus in den Kliniken besonders streng, selbst nächste Angehörige durften bis zur zweiten Juliwoche nicht in die Gebäude. Nickel durfte keine Veranstaltungen halten und erst wenige Gespräche führen. Umso mehr freut sie sich über eine solche Rückmeldung am Telefon. Vor ihr dampft der Kaffee, bis zum Treffen ist noch Zeit.

„Bei Seelsorge“, sagt Nickel, „geht es ja nicht nur um Leben und Tod, sondern das kann auch einen Cappuccino am Meer bedeuten – alles, was der Seele gut tut, wobei wir zur Ruhe kommen und Dinge klären können.“ Die Patienten bringen allerdings ihr Leben mit nach Damp. Und wenn sie dann wochenlang ihre Reha absolvieren oder eine drastische Diagnose erhalten, „kann es schnell ans Eingemachte gehen“, sagt Nickel. Einen „Raum für die Seele öffnen“ möchte sie. „Das Meer hilft dabei ungemein, es entspannt die Menschen.“ Und auch wenn sie keineswegs ständig Gott thematisiert in solchen Gesprächen, aus ihrer Sicht ist er immer dabei. Bald will sie zumindest für jeweils 20 Minuten den Kurpark nutzen – für ein „meditatives Morgengebet“, fürs „Kraft tanken am Mittag“ und das abendliche „Den Tag loslassen“. Alles in Kleingruppen mit Abstand unter freiem Himmel, coronagemäß also.

In der Verwaltung - und im Herzen am Meer

Geboren wurde Nickel vor 52 Jahren zwischen Sauerland und südlichen Ruhrpott. Sie hat kein Problem damit, ihr Alter zu nennen: „Etwas Lebenserfahrung ist sicher hilfreich als Klinikseelsorgerin“, sagt sie. Dank der Kirchenmusik, die sie liebte und liebt, träumte Nickel schon früh vom Musikstudium. Dann aber lernte sie doch erstmal Diplom-Verwaltungswirtin und schlug die Beamtenlaufbahn ein, denn ihre Eltern wünschten sich „was Solides“. Nebenher reiste Susanne Nickel, so oft sie konnte, nach Fehmarn. „Ich habe einen maritimen Tick“, sagt sie, „der Norden tat mir schon immer gut: die Weite des Meeres und des Himmels, Natur und Wind – darin zeigt sich mir die Größe und Herrlichkeit Gottes.“ Ihr Kontakt zur Fehmarner Gemeinde und den beiden Pastoren Reese und Wiechmann war intensiv.

Nach mehreren Jahren in der Kommunalverwaltung entschied sich die nun 24-Jährige zu einem Theologiestudium. Sie arbeitete nebenher als Chorleiterin, spielte Orgel, jobbte in Teilzeit weiter als Verwaltungskraft. Klar, dass sie auch sechs Semester in Kiel in ihr Studium einbaute – das Meer lockte weiterhin. Und wunderbar, dass ihr Mentor im Vikariat ihren maritimen Tick ebenso teilte wie die Liebe zur Kirchenmusik. „Das würde ich schon als Fügung bezeichnen“, sagt Nickel. Überhaupt sei sie zum großen Teil von Menschen geprägt worden, „die ihren Glauben persönlich vermittelt und authentisch vorgelebt haben – der Glaube kommt vom Hören, hat Paulus gesagt, und da ist viel dran.“

Hören und Zuhören

Die vergangenen zehn Jahre war Susanne Nickel Gemeindepfarrerin im Tecklenburger Land – und damit im äußersten Norden der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Da kann man schon den NDR empfangen, das gab mir immer so ein Urlaubsgefühl“, sagt sie und lacht. Als sie dann im vergangenen Herbst eine Auszeit nahm und zum „Kontaktstudium“ wieder ein Semester im Norden verbrachte, drei Tage an der Uni in Kiel, um theologische Impulse aufzusaugen, vier Tage in Lindaunis an der Schlei – da schaute sie sich „in der wunderschönen Kirchenlandschaft in Angeln und Schwansen“ um und entdeckte, dass Pastorin Viola Engel als Damper Klinikseelsorgerin in den Ruhestand ging. Sie bewarb sich, sprach am 29. Februar vor und wurde genommen. Ihr persönliches Schaltjahr.

Susanne Nickel mag die Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen, die sie als Pastorin mit ihren Gemeinden feierte. Zugleich hat sie sich mit Kursen zur Pastoralpsychologie fortgebildet, weil ihr Interesse am Innen- und Seelenleben wuchs. Gottesdienste fehlen ihr derzeit, in Damp durfte sie aus Corona-Gründen bislang keine durchführen. „Aber daran arbeite ich.“ Auch einen „Raum der Stille“ möchte sie in Damp wieder einrichten, den es mal gab. Gerade zu Beginn unter den Corona-Auflagen habe sie den sehr vermisst. Kreative wie musikalische Akzente will sie ebenfalls setzen mit Angeboten wie „Psalmen malen" oder "Meditatives Singen" – wenn es denn wieder erlaubt ist. Und natürlich wird Nickels Telefon künftig noch häufiger klingeln. Beziehungsweise: läuten wie ein Kirchturm.


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