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Die Dienstzeit von Marion Knutz-Kempendorf als Pastorin endet am 31. Mai 2019

Der Raum der Stille in der Imland Klinik.

10.05.2019

Rendsburg - In der Imland Klinik kennt sich Marion Knutz-Kempendorf aus. Die Pastorin und Krankenhaus-Seelsorgerin hat in den vergangenen 19 Jahren in der Klinik gearbeitet und dabei fast jeden Winkel des Gebäudes kennen gelernt. Sie hat Patientinnen und Patienten besucht, war für die Mitarbeitenden und die Angehörigen da. Viele hat sie auf schweren Wegen und in schweren Zeiten begleitet. Diese anspruchsvolle und fordernde Arbeit geht nun zu Ende. Am Freitag, 17. Mai, wird sie um 14 Uhr im großen Konferenzraum der Imland Klinik Rendsburg von Propst Sönke Funck in den Ruhestand verabschiedet.

Zur Ruhe setzen will sie sich nicht. Sie sucht neue Herausforderungen. Zum Beispiel das Schreiben. Unter anderem hat sie ihr eigenes Leben aufgeschrieben. Auf deutsch und auf dänisch über sich als Grenzgängerin. Denn Marion Knutz-Kempendorf wurde in Hadersleben (dänisch: Haderslev)  nördlich von Apenrade geboren, wuchs als Angehörige der deutschen Minderheit in Dänemark auf, ging zur deutschen Schule und zur deutschen Kirche. Mit einer Jugendgruppe beispielsweise besuchte sie Taizé, was für ihren weiteren Lebensweg wichtig war.

Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr nach Uppsala in Schweden, wo sie als "hemsamarit" in der Hauspflege arbeitete. „Das war rückblickend mein Anfang in der Seelsorge“, sagt sie. „Da habe ich gemerkt, wie wichtig das Gespräch gerade für die alten Menschen ist.“ In Uppsala lernte sie verschiedene Kirchen und Ansätze der Theologie kennen. Sie entschied sich für das Theologie-Studium, das sie in Kiel begann. „Da habe ich gemerkt, dass ich eigentlich Dänisch bin.“

Die große fremde Stadt, das andere Deutsch, damit musste sie sich arrangieren. Das gelang gerade durch viele Kontakte zu anderen Studierenden unter ihnen Annegret Wagner-Braun, die seit dem vergangenen Jahr Pröpstin in Nordfriesland ist. Marion Knutz-Kempendorf wurde nach dem Studium Vikarin in Heikendorf und dann Pastorin in Weddingstedt in Dithmarschen. In der Nachbargemeinde lernte sie ihren Mann Matthias Kempendorf kennen. „Wir gehören zu einer Generation, in der sich Ehepartner die Stelle teilen mussten“, sagt Marion Knutz-Kempendorf. Gemeinsam gingen sie nach Hamburg-Hummelsbüttel und wenig später, kurz nach der Geburt des ersten der drei Söhne, Jakob, nach Nordschleswig. Später kamen dann Simon und Daniel dazu. „Ich hatte das Gefühl, nach Hause zu kommen“, sagt sie. Acht Kirchen, 350 Gemeindeglieder von Pattburg bis Alsen, das war eine andere Situation als die Großstadt- Gemeinde in Hummelsbüttel.

Von 1989 bis 1995 blieb die Familie in Gravenstein/Graasten. Als der Älteste eingeschult werden sollte, ging es zurück nach Deutschland. Wieder teilte sich das Ehepaar eine Pfarrstelle, diesmal in der Christkirche Rendsburg-Neuwerk. „Das war für uns eine prägende, wichtige Zeit“, sagt Knutz-Kempendorf. Für die Kinder lagen Schule oder auch die Musikschule direkt um die Ecke. Ihr Mann übernahm den Vorsitz im Kirchengemeinderat, sie andere Aufgaben und unter anderem 14 Jahre eine Meditationsgruppe. Nach 13 Jahren mit geteilter Stelle bot sich im Jahr 2000 die Möglichkeit für Marion Knutz-Kempendorf als Seelsorgerin ans Krankenhaus zu gehen. Mit dem Wechsel verbunden war auch der Beginn einer sechsjährigen Ausbildung zur Pastoralpsychologin der Sektion Tiefenpsychologie.

„Besonders wichtig war im Krankenhaus die Arbeitsgruppe ‚Kultur des Sterbens‘“, sagt sie. Zuvor hatte sie erlebt, dass es im Krankenhaus eine große Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden gab. Gemeinsam mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Berufsgruppen im Haus traf sie sich monatlich und erarbeitete unter anderem den Abschiedskoffer mit Bibel, Koran, Stein, Licht, Tuch und Kerze. Mit ihm können seitdem Sterbende auf der Station begleitet werden. Später initiierte sie den Raum der Stille, der interreligiös genutzt werden kann. Knutz-Kempendorf sorgte gemeinsam mit der Christkirche, dem Kirchenkreis, dem Krankenhaus und der Bestattungsfirma Höhling auch dafür, dass totgeborene Kinder bestattet werden können – um nur einiges zu nennen.

Neben der Arbeit im Krankenhaus war sie als Pastoralpsychologin sowohl innerhalb wie außerhalb der Klinik aktiv, zum Beispiel in der Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren. Und während sie die Arbeit in den ersten zehn Jahren als Aufbau empfand, gab es in den vergangenen Jahren auch durch die Veränderungen im Gesundheitswesen immer mehr Situationen, in denen sie sich behaupten und ihre Arbeit verteidigen musste. „Ich habe immer versucht, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen“, sagt sie. Das hat sie auch weiterhin vor, wenn sie sich jetzt mit ihren Publikationen beschäftigt. Gerne hat sie schon früher in Gedichten Erlebnisse verarbeitet und auch schon Seminare zu Lyrik und Prosa am Nordkolleg besucht. Und wenn alles klappt wird ihr Leben als Grenzgängerin zwischen Deutschland und Dänemark, zwischen Kirche und Krankenhaus bald auch zweisprachig nachzulesen sein.

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