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Einige der Jugendlichen der Jugendkirche vor der Bugenhagenkirche. Vorne rechts sitzt Arved.

Fotos für Instagram macht Klaus Kaiser oft auch mit dem Handy. Hier fotografiert er den Turm von St. Nicolai.

04.11.2020

Rendsburg/Eckernförde – Für Pastor Michael Jordan ist Facebook Arbeitsalltag. Er betreut den Auftritt der Kirchengemeinde St. Nicolai Eckernförde und ist auch privat aktiv mit dabei. Bei Klaus Kaiser, der in Eckernförde das Grüne Haus des Kirchenkreises leitet und in der Kirchengemeinde Jugendarbeit betreibt, ist es Instagram. Regelmäßig stellt er neue Beiträge in das soziale Netzwerk, in dem es vor allem auf gute Fotos ankommt. Das liegt Kaiser, der auch privat viel und gerne fotografiert. Auch für ihn sind die sozialen Medien Teil des beruflichen Alltags geworden. Und da er die Jugendlichen in den Blick nimmt, ist für ihn Instagram der Kanal der Wahl.

„Wir bleiben miteinander in Kontakt, die Kirche ploppt bei den Jugendlichen immer mal wieder auf und wird in Erinnerung gerufen“, sagt Klaus Kaiser. Etwa dreimal in der Woche komme er so in Kontakt mit den Jugendlichen, auch mit denen, die er seltener von Angesicht zu Angesicht sieht. Instagram stärkt die Bindung zur Gemeinde. Das gleiche erlebt die Rendsburger Jugendkirche. Daniel Homeister und Martin Baron, die vor knapp drei Jahren den Instagram-Kanal der Jugendkirche ins Leben gerufen haben, kennen die meisten der 700 Abonnentinnen und Abonnenten zumindest dem Namen nach.

Wie St. Nicolai Eckernförde und die Jugendkirche Rendsburg so nutzen überall im Kirchenkreis Pastoren, Jugendmitarbeiter und Ehrenamtliche die sozialen Netzwerke, um von ihrer Arbeit zu berichten, Veranstaltungen anzukündigen, Diskussionen anzuregen oder auch nur in Kontakt zu bleiben. Viele und auch der Kirchenkreis selbst sind dabei auf Facebook. Dort können die Menschen in Gruppen wie „Rendsbook/Faceburg“, „Neues aus Eckernförde und Umgebung“, „GettorfERLEBEN“ oder „Nortorf informiert“ im regionalen Umfeld angesprochen werden.

Auf Instagram wiederum kommt es auf den direkten Kontakt an, Gruppen gibt es hier nicht. Jeder Kanal einer Person oder Institution muss für sich funktionieren, die Bilder und Storys können nur sehr eingeschränkt geteilt und damit weiterverbreitet werden. Wer sein Gesicht zeigt wie etwa Rendsburgs Propst Matthias Krüger, der einmal in der Woche ein „kleines Stück Schlaggitarre“ spielt, dem „folgen“ die Nutzer eher als einer Institution. Büdelsdorfs Pastorin Josephine Teske gehört dabei sogar zum Kreis der sogenannten Sinnfluencer der Evangelischen Kirche Deutschlands (siehe Interview). Sie postet als Botschafterin für Kirche und Glauben aus ihrem Alltag in der Gemeinde und als alleinerziehende Mutter. Sie hat von allen Pastorinnen auf Instagram deutschlandweit mittlerweile die meisten Abonnenten: Es sind über 20.000.

Dem Instagram-Kanal der Kirchengemeinde St. Nicolai folgen seit kurzem etwas mehr als 400 – die meisten aus der Gemeinde oder der Region. Sie sind den Machern bekannt. „Ich habe bei der Konfirmandenanmeldung gesagt, wir brauchen noch drei Abonnenten. Das ging dann schnell, eine angehende Konfirmandin hat sich freudestrahlend gemeldet: Ich bin die Nummer 400“, erinnert sich Klaus Kaiser. Für eine Kirchengemeinde wie St. Nicolai ist die enge Verbindung aus Kontakten im „analogen“ Umfeld und dem digitalen Kanal selbstverständlich. „Es ist spannend festzustellen, dass sich viele neue Kontakte ergeben“, sagt Michael Jordan.

In den anderthalb Jahren, in denen die Kirchengemeinde Facebook nutzt, habe es etliche Anfragen gegeben bis hin zur Suche nach Seelsorge. „Facebook ermöglich einen niedrigschwelligen Kontakt“, sagt der Pastor. Die Menschen schrieben ihm eher eine Nachricht über den Messenger als dass sie anriefen oder gar an der Tür des Pastorats klingelten. „Social Media eröffnet einen neuen Zugang zur Kirche“, sagt auch Klaus Kaiser. Einen neuen Zugang für die, die sonst kaum in die Kirche finden würden. Es entstünde ein Kontakt auf Augenhöhe, etwas was viele bei Kirche sonst nicht erwarten würden.

Auch die Jugendlichen der Jugendkirche Rendsburg kommunizieren auf Augenhöhe, nach außen aber auch im Team. Das erleben gerade jetzt die Neulinge im Team der Öffentlichkeitsarbeit. Arved und Luca, die erst kurz dabei sind, gehören selbstverständlich dazu. Der 16-jährige Arved hat schon mehrere Texte für die wöchentlichen Impulse auf Instagram geschrieben. Er fühlt sie wie Luca in der Jugendkirche gut aufgehoben. Das ist in seinen Texten auf Instagram zu merken, in denen er wie selbstverständlich vom Glauben erzählt. Dass das funktioniert und nicht peinlich wirkt, hat mit dem Zusammenhalt der Jugendkirche und auch mit Diakonin Anja Hauschild, die in der Jugendkirche Rendsburg arbeitet. „Wir sind eine Gemeinschaft, in der die Vielfalt gelebt wird“, sagt sie. Auch die Vielfalt kommt in den Texten und Bildern zum Ausdruck – wer Lust und etwas zu sagen hat, der darf posten.

Dass die Jugendkirche mittlerweile nur noch auf Instagram vertreten ist, ist dabei folgerichtig. „Facebook ist ein Medium der Älteren“, sagt Daniel Homeister. Seine Generation ist nicht mehr dort. Und so erscheinen zwar die Beiträge der Jugendkirche auch auf Facebook, aber nur als Spiegelung, damit die älteren mitbekämen, was die Jugendkirche umtreibt. „Wir wollen für die Jugendlichen in der Region da sein“, fasst Martin Baron den Anspruch der Jugendkirche zusammen. Das gelte sowohl für den Raum – die Jugendkirche in der Bugenhagenkirche ist Anlaufort für andere Jugendgruppen im Kirchenkreis – als auch für den Auftritt bei Instagram. Dafür haben die Rendsburger auch den richtigen Namen: Sie haben sich „@Jugendkirche“ gesichert. Alle anderen Jugendkirchen in Deutschland müssen sich etwas anderes ausdenken.

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