Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Michael Jordan (zweiter von links), Propst Sönke Funck (dritter von links) gemeinsam mit Jordans Weggefährten Pastor Matthias Alpen (Senior der Nordschleswigschen Gemeinde) und Ulrike Paulsen aus Husum.

Auszug aus der mit 300 Besucherinnen und Besuchern gefüllten Kirche St. Nicolai.

Michael Jordan predigt auf der Kanzel von St. Nicolai.

Michael Jordan nach dem Festgottesdienst.

Katja Kanowski am Flügel, Olaf Carstensen an der Klarinette und der St.-Nicolai-Chor stimmen den Song für Old Shatterhand an

04.02.2019

Eckernförde - Die Festgäste geben sich dieser Tage in St. Nicolai die Klinke in die Hand: Vor zwei Wochen erst öffnete die renovierte Eckernförder Kirche feierlich ihr neues Südportal, nun wurde in einem Festgottesdienst der neue Pastor offiziell in die Kirchengemeinde eingeführt. „Es hat sich gelohnt, so lange zu warten“, sagte Michael Jordan anschließend lächelnd. Der 53-Jährige wirkte dabei immer noch beseelt von den vorangegangenen 90 Minuten.

Die drei Pastoren zogen mit leuchtend roten Stolen in St. Nicolai ein, auch der Parament am Altar war rot: die liturgische Farbe eines hohen Kirchenfestes. Fast 300 Gottesdienst-Besucher füllten die Kirche. Und wiewohl sie genug Platz hatten auf den Stühlen, bezog sich der zu Beginn verlesene Psalm 31 eher auf den geistigen wie geistlichen Freiraum dieses Einführungsgottesdienstes: „Du stellt meine Füße auf weiten Raum“. Dazu passte auch das Lied „Du öffnest, Herr, die Türen, lädst uns zum Leben ein“.

Propst Sönke Funck bemerkte, dem neuen Pastor zugewandt: „Du, lieber Michael, hast hier hochmotiviert begonnen, unbekümmert, neugierig, analytisch, auch mit der nötigen Distanz zu dem so scheinbar Unveränderlichen, Unbeweglichen dieser Kirche und mit dem Schwung des Neuen, irgendwo zwischen Narrenfreiheit und Welpenschutz“ – und erntete dafür wohlgesonnene Lacher. Vielen Zuhörern mag dabei der öffentlich begangene Reformationstag an der Holzbrücke vor Augen gestanden haben, den Jordan, kaum angefangen in Eckernförde, gemeinsam mit seinem Borbyer Kollegen Rainer Kluß angestoßen hatte – eine Aktion, die früher kaum denkbar gewesen wäre.

Nicht nur durch diese Aktion sei Jordan „für diese Gemeinde, die Stadt, die Kollegen und mich kein Unbekannter mehr, kein Neuer, keine Wundertüte, kein Überraschungsei“, so der Propst weiter. Erneute Lacher. Funck betonte aber auch Jordans sachlich-nüchterne und strukturierte Art, Dinge anzugehen, seine freundliche Offenheit und Kollegialität und ebenso die „theologische Tiefe, die Du ja nicht auf der Zunge vor Dir herträgst, die aber überall aufblitzt und durchscheint“.

Michael Jordan selber spricht sonst lieber auf Augenhöhe statt von der Kanzel. Doch selbst als er diesmal dort oben stand, predigte er keinesfalls von oben herab: Er erzählte von den aktuellen internationalen Freitagsdemonstrationen der Schüler, die auch Eckernförde erreicht hätten („fridays for future“) und die Älteren gemahnten, sich die Forderungen für einen starken Klimaschutz lieber zu eigen zu machen statt daran herum zu nörgeln: „Wir können uns doch freuen, wenn Jugendliche engagiert und politisch interessiert sind!“, sagte Jordan und dankte ausdrücklich den Schülern für ihre Demos: Da sei ein Ball ins Rollen gekommen, um die Schöpfung zu bewahren.

Jordan warb dafür, sich – wie der zunächst wenig zugängliche Jesus mit der Frau aus Kanaan (Mt. 15, 21) – aufeinander einzulassen, selbst oder gerade im Streit: „Wir sollten aus Begegnungen stets anders hervorgehen, als wir hineingegangen sind.“ Und eher augenzwinkernd merkte Jordan an, dass er mit Karl May groß geworden sei – und selbst Old Shatterhand keinesfalls zunächst Freundschaft mit Winnetou schließt, sondern bei den Apachen am Marterpfahl steht, bevor er später versucht, die Botschaft der Liebe zu verbreiten. Und wieder gab es Lacher.

Diese Leidenschaft für Karl May inspirierte dann auch den von Katja Kanowski geleiteten St. Nicolai-Chor dazu, die Winnetou-Filmmusik zu intonieren, während die Pastoren mit Propst und Kirchengemeinderat auszogen – und später, zwischen vielen Glückwünschen und Grußworten, noch einmal mit Federn im Haar auf die Altartreppen zu treten und das Old-Shatterhand-Motiv anzustimmen. Ein letzter Beleg für den Freiraum, den sich die Kirchengemeinde St. Nicolai erarbeitet hat und erarbeiten möchte.

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen gibt es auf der Seite Datenschutz.