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Von der Anwesenheit des Göttlichen

Weihnachten vor 4 Wochen war wirklich vollkommen anders. Keine Gottesdienste in unserer Kirche. Für mich als Pastor eine bis dahin unvorstellbare Erfahrung. Vieles fehlte: die vollen Gottesdienste mit den vertrauten Menschen. Die Stimmung, die nur an Weihnachten unser EBZ mit Wärme flutet. Mir hat vor allem aber der Gesang gefehlt: 400 Stimmen, die zusammen einen wunderschönen, festlichen Klangteppich bilden.

In der Vorbereitung hatten meine erwachsenen Kinder die Idee, einen Gottesdienst im Wohnzimmer zu feiern. Und dann sagte Manuel doch tatsächlich: „Ich würde gerne Abendmahl feiern.“ Dieser Vorschlag hat mich überrascht. Und so haben wir Heiligabend in unserem Wohnzimmergottesdienst Abendmahl gefeiert. Nach neun Monaten das erste Mal wieder dieses Abendmahl. Und dann in diesem beinahe intimen, familiären Rahmen.
Merle, seit 1. Januar 21 Pastorin in Hessen, hat das Abendmahl eingesetzt. Wir reichten einander Brot und Wein. Ein Moment, in dem sich Himmel und Erde berührten. Selten habe ich dieses Sakrament so „tief und berührend“ empfunden. Wir fühlten uns getragen durch das Heilige dieser Feier. Es war dieser besondere und ganz andere Kontext, der mir die wunderbare Erfahrung von einer heiligen Gemeinschaft an Heiligabend schenkte. Wir „sechs Großes“ verbunden mit dem Gott, der größer ist als alles Vorstellbare. Aus Brot und Wein wurde mehr. Viel mehr.
Was war es? Die Gegenwart von etwas Höherem! Die Erfahrung, dass der Raum mit unserem Weihnachtsbaum nun zum Wohnzimmer Gottes geworden war.

Von einer ähnlichen Erfahrung erzählt auch die Geschichte von der Hochzeit zu Kana. Jesus sagte: „Füllt die Krüge mit Wasser.“ Und sie füllten sie bis zum Rand. Dann befahl er ihnen: „Jetzt nehmt eine Probe davon und bringt sie dem Mann, der für das Fest verantwortlich ist.“ So brachten sie dem Mann etwas davon und er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste jedoch nicht, woher dieser Wein kam.“

Ich gebe zu, dass ich mit dieser biblischen Erzählung immer Probleme hatte. Mir war das zu wundersam. Aber nach unserem familiären Abendmahl an Heiligabend sehe ich sie in einem anderen Licht. Es geht um die Anwesenheit des Göttlichen, die wir nicht herbeiführen können, die sich aber ereignet, weil Gott es geschehen lässt.  In der Hochzeitsszene war es dieser ganz andere Mensch „Jesus“, der das Fest mit göttlicher Nähe flutete und die Feiernden das Wasser unerwartet nun als Wein schmecken ließ. Auf unserer familiären Abendmahlsfeier an Heiligabend war es ebenfalls die unsichtbare und zugleich erfahrbare Anwesenheit des Göttlichen, die uns von guten Mächten wunderbar getragen ließ. Wo wir Raum für das Göttliche zulassen, da verändert sich unsere Wirklichkeit. Da wird unser Leben verwandelt in ein heiliges Fest.

Ich muss gestehen: ich bin Manuel dankbar, dass er den Wunsch nach dem Abendmahl an Heiligabend einbrachte. Als wir uns am Weihnachtsbaum Brot und Wein reichten, meinte ich den Gesang der Engel zu vernehmen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“  Ja, da war Frieden. Mitten unter uns. Amen

(Text: Pastor Dirk Große)

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