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Was ist Gottesdienst?

Liebe Gemeinde,

am vergangenen Mittwoch haben wir, die Pastorinnen und Pastoren der Kirchengemeinde Schwansen, uns dazu entschlossen, dass wir bis Ende Januar die Gottesdienste nicht mit der Gemeinde in den Kirchen feiern.

Wenn Sie also in nächster Zeit einen Gottesdienst von einer Ihrer Gemeindepastorinnen oder einem der Gemeindepastoren mitfeiern wollen, bleibt Ihnen nur, diesen Gottesdienst zu lesen.

Das heißt, ab und zu können Sie auch einen solchen Gottesdienst als Film erleben.

Ist das nun aber noch ein Gottesdienst?

Und können wir noch sagen, dass solch ein Gottesdienst gefeiert wird?

Ich denke schon, denn Gottesdienst ist doch mehr als die liturgische Feier an Sonn- oder Feiertagen.

Denn niemand muss am Sonntag oder an einem Feiertag in die Kirche gehen, um dort seinen Dienst für Gott abzuleisten. Wer Gottesdienst feiert, der leistet keinen Dienst für Gott, im Gegenteil, er erkennt, dass Gott ihm dient.

Im Gottesdienst darf ich mich darüber freuen, dass Gott mich mit so vielen Möglichkeiten für mein Leben beschenkt, ja, das Gott mir geradezu, mit all dem, was ich kann und habe, einen Riesendienst erweist.

Wir sind es gewohnt, diese Freude durch die liturgische Feier des Gottesdienstes auszudrücken. Vor allem dem gemeinsamen Singen kommt dabei ein hoher Stellenwert zu.

Ich vermisse diese Gottesdienste auch und doch ist Gottesdienst mehr als diese liturgische Feier.

Gottesdienst ist vor allem der Moment, in dem ich erkenne, mit welch Gaben Gott mir für mein Leben dient. Und wenn ich mir darüber klargeworden bin, was Gott mir alles für meine Lebensgestaltung überlässt, dann lasse ich das nicht unbeachtet.

Die Möglichkeiten, die Gott mir schenkt, für mein Leben und für unser Zusammenleben zu gebrauchen, das ist unser vernunftgemäßer Gottesdienst.

So schreibt es Paulus jedenfalls im 12. Kapitel des Römerbriefes. Aus diesem Kapitel sind die Verse 1 bis 8 als Predigttext für diesen 1. Sonntag nach Epiphanias vorgeschlagen.

Brüder und Schwestern, weil Gott so viel Erbarmen mit euch gehabt hat, bitte und ermahne ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der vernunftgemäße Gottesdienst.

Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.

In der Vollmacht, die Gott mir als Apostel gegeben hat, wende ich mich an jeden Einzelnen von euch. Niemand soll sich über andere erheben und höher von sich denken, als es angemessen ist. Bleibt bescheiden und sucht das rechte Maß! Durch den Glauben hat jeder von euch seinen besonderen Anteil an den Gnadengaben bekommen. Daran hat jeder den Maßstab, nach dem er sich einschätzen soll.

Denkt an den menschlichen Leib: Er bildet ein lebendiges Ganzes und hat doch viele Teile, und jeder Teil hat seine besondere Funktion.

So ist es auch mit uns: Als Menschen, die zu Christus gehören, bilden wir alle ein unteilbares Ganzes; aber als Einzelne stehen wir zueinander wie Teile mit ihrer besonderen Funktion.

Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat. Einige sind befähigt, Weisungen für die Gemeinde von Gott zu empfangen; was sie sagen, muss dem gemeinsamen Bekenntnis entsprechen.

Andere sind befähigt, praktische Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen; sie sollen sich treu diesen Aufgaben widmen. Wer die Gabe hat, als Lehrer die Gemeinde zu unterweisen, gebrauche sie.

Wer die Gabe hat, andere zu ermahnen und zu ermutigen, nutze sie. Wer Bedürftige unterstützt, soll sich dabei nicht in Szene setzen. Wer in der Gemeinde eine Verantwortung übernimmt, soll mit Hingabe bei der Sache sein. Wer sich um Notleidende kümmert, soll es nicht mit saurer Miene tun.

So beschreibt Paulus also unseren Gottesdienst.

Es geht bei Paulus nicht um eine dreiviertel Stunde am Sonntag, es geht Paulus um unser ganzes Leben. Es geht um die Frage, wie wir unser Leben gestalten.

Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar.

Dieser Satz des Paulus könnte falsch verstanden werden, so, als sollten wir unser Leben für Gott beenden.

Doch mit dieser Aussage fordert Paulus nicht dazu auf, uns wie ein Selbstmordattentäter zu töten um dadurch dann möglichst vielen Ungläubigen das Leben zu nehmen. Die fundamental-islamistischen Terroristen, die sich kiloweise Sprengstoff um den Körper binden und sich damit in die Luft sprengen und Dutzende Unschuldige umbringen, sie meinen mit ihrem Tod Gott den größten Dienst erweisen zu können.

Mehr kann ein Mensch nicht für Gott geben, als für seinen Glauben zu sterben. Sie sind deshalb zu Selbstmord und Mord bereit, weil sie ihre Tat als heilige und Gott wohlgefällige Tat verstehen.

Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung!

Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat.

Es geht bei Paulus gerade nicht darum, das Leben zu beenden, weder das eigene, noch das eines anderen. Es geht darum, das Leben vernünftig, voller Sinn, zu gestalten.

Es hört sich vielleicht ungewöhnlich an, aber wir dürfen unser Leben sinnvoll gestalten, weil Gott unser Leben mit Sinn gefüllt hat. Gott hat sich uns Menschen zugeneigt, in Jesus ist er uns im Mitmenschen erfahrbar geworden.

Wir wissen es, vieles was wir tun und wie wir es tun, ist ganz und gar nicht vernünftig, ergibt nur wenig Sinn. Wir schaden manchmal uns selbst; wir belasten die Umwelt; wir denken, reden und handeln uns und anderen Menschen gegenüber oft genug unbarmherzig.

Aber Gott ist barmherzig. Auf dieser Grundlage ermutigt Paulus die Gemeinde in Rom.

Und er sagt: „Gott ist überhaupt nicht daran interessiert, dass wir für ihn irgendeinen Dienst erledigen. Gott will nicht irgendetwas von mir, er will alles für mich!“

Gott will uns doch kein Korsett anlegen, das uns daran hindert uns frei zu entfalten. Im Gegenteil, er hat uns mit so viel Möglichkeiten zum Leben ausgestattet, deshalb möchte er auch, dass wir diese Möglichkeiten nutzen.

Wir haben Gott unser ganzes Leben mit all seinen Möglichkeiten zu verdanken. Wir haben nicht alle die gleichen Begabungen, doch es gibt keinen, der gar keine Begabung hat. Jeder soll sich seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln, so sagt Paulus das mit dem Bild von dem einen Leib und den vielen Gliedern. Wenn es uns gelingt, unsere Gaben und Begabungen so zur Geltung kommen zu lassen, dass sie nicht nur für uns selbst, von Nutzen sind, sondern auch für unsere Mitmenschen, dann gebrauchen wir sie so, dass Gott daran Freude hat.

So sagt das Paulus.

Ich bin mir sicher, dass wir Menschen unser Leben letztendlich nur in einer Gemeinschaft erfüllt erleben können. Das spüren wir jetzt, da wir auf viele gemeinschaftliche Erlebnisse verzichten müssen, wohl mehr als sonst. Es wäre doch schön, wenn wir uns dieses Bewusstsein für die Bedeutung der Gemeinschaft erhalten könnten.

Zu solch einem Leben in der Gemeinschaft hat Gott uns begabt. Wir tun uns selbst keinen Gefallen damit, Gott aus dieser Gemeinschaft auszuschließen, so als gebe es zwei Bereiche in unserem Leben. Der eine, das ist das ganz normale Leben, ohne Gott und dann gibt es noch ab und zu eine Zeit für Gott.

Wenn wir so denken und handeln, dann verzichten wir darauf unserm Leben Tiefe zu geben.

Es ist nur vernünftig, das ganze Leben als Gottesdienst zu gestalten, also so, dass es mit dem Willen Gottes übereinstimmt, damit all das, mit dem Gott uns zum Leben dienen will, auch ungeschmälert zur Geltung kommt.

Und das Tolle ist, jeden Tag bin ich aufs Neue dazu eingeladen, mein Leben so zu gestalten, dass es dem Willen Gottes entspricht. Amen

Pastor Martin Krumbeck, Kirchengemeinde Schwansen

Hier geht es zum ganzen Gottesdienst

Und wer lieber eine andere Predigt zum Sonntag lesen möchte, findet hier noch eine von Pastor Okke-Breckling-Jensen aus Altenholz

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